Johannes Hömberg

Musiker Leben - Musik erleben

                    Johannes Hömberg 1951 - 1980 - 2011

"ordo et varietas"

Wer mein „Hömberg-Werke Verzeichnis“  "HWV"  und das meiner Konzertmitschnitte und Einspielungen auf CD "HKM" durchsieht, merkt sofort: Das A und O meines kompositorischen und interpretatorischen Wirkens ist die menschliche Stimme, und insbesondere ihr Zusammenwirken in der chorischen Gemeinschaft.

Vita:

Diese Prägung beginnt früh: Geboren wurde ich 1931 als Sohn eines Organisten und Chorleiters in Bochum. Ich begeisterte mich mehr und mehr für das Singen alter Madrigale und auch neuer Sätze in der musikalischen Jugendbewegung nach dem 2. Weltkrieg. Schließlich, noch vor Beginn meines Musik-Studiums in Freiburg, erwarb ich mir erste Erfahrungen als Chorleiter mit dem Propstei-Singekreis, Bochum (1951-1953).

In Freiburg und München studierte ich Schulmusik, Komposition (bei Harald Genzmer), Dirigieren (bei Herbert Froitzheim), Musikwissenschaft (bei Wilibald Gurlitt, Reinhold Hammerstein) und Germanistik (1953-1959).

Im Studium betrieb ich mit Leidenschaft das Singen und Dirigieren in Quartetten, Sextetten und bei der Leitung des Studentenchors der Universität Freiburg.

Mit dem Chor der Musikhochschule Freiburg durfte ich die Chöre der „Zauberflöte“ einstudieren, in deren Aufführung der unvergessliche Fritz Wunderlich, damals mein Kommilitone, seinen ersten „Tamino“ sang.

Meine ersten Berufung als „Professor da Universidade da Bahia, Seminarios Livres de Musica“ führte mich nach Salvador/ Bahia (Brasilien) (1959-1964). Neben meiner Dozenten-Tätigkeit erarbeitete ich mir als Leiter der Orquestra Sinfonica das klassische und romantische Standartrepertoire. Auch die südamerikanische Erstaufführung der Weill’schen „Dreigroschenoper“ in portugiesische Sprache gehört zu den wichtigen Stationen meines Karrierebeginns in Brasilien.

Es folgten vier Jahren als Leiter des Musikreferats im Goethe-Institut in München (1965-1969), wo ich für die Entsendung deutscher Musiker ins Ausland zuständig war. Ich arbeitete zusammen mit Musikern, wie z.B. Günter Kehr, Hermann Prey, Günter Ludwig, sowie Streichquartetten und Kammerorchestern. Auch den deutschen Jazz machte ich durch Tournéen mit Jazz-Musikern ins Ausland bekannt: Albert Mangelsdorf, Kurt Edelhagen, Manfred Schoof, Jiggs Wigham u.a.

1969 gab mir die Berufung an die Musikhochschule Köln als Professor für Chorleitung und Tonsatz (Nachfolge Hermann Schroeder) nun alle Möglichkeiten, das Spektrum der Chormusik, etwa zwischen 1400 und der Gegenwart, zu verwirklichen: mit dem Vokalensemble Pro Musica Köln und dem Chor der Musikhochschule

(Siehe: Programme der CDs).

Im Rahmen meiner Hauptfachklasse und innerhalb des Schulmusik-Studiums bildete ich Studierende in Chor- und Orchesterleitung aus.

In jedem Semester wurde mit dem Hochschulchor ein Konzert erarbeitet, in dem Choristen, Orchestermusiker und Solisten zusammen die großen Werke der Musikliteratur unter meiner Leitung zur Aufführung brachten. Hierbei erklangen u.a.:

Bachs Passionen, h-moll-Messe und Motetten, Haydns Schöpfung, Mozarts Messen, Vesper und Requiem, sowie Werke von Schubert, Brahms, Bruckner, Reger bis zu Strawinsky, Hindemith, Schönberg Henze und Penderecki.

Zu den vielen Sängerinnen und Sängern, die bei diesen Konzerten mitwirkten (einige von ihnen am Anfang ihrer solistischen Karriere), gehören u.a. Helen Kwon, Anja Harteros, Mechthild Georg, Christiane Oelze, Karl Markus, Franz Müller-Heuser, Andreas Schmidt, Wilhelm Hartmann, Stefan Vinke und Natalie Stutzman* (*Mattäus-Passion, 1985, F-Rouen).

 

Gastkonzerte

1986 dirigierte ich in Seoul/Korea die Uraufführung der Friedenskantate von Friedrich Radermacher, Ausschnitte aus der Schöpfung von J. Haydn und Mozarts Klavierkonzert A Dur (mit Pavel Gililov). 1993 und 1995 gastierte ich in Moskau mit Bachs Matthäus-Passion und dem Brahms-Requiem.

Seit meinem Abschied von der Kölner Musikhochschule folgte ich Einladungen als Gastdirigent, besonders an meine ehemalige Wirkungsstätten in Brasilien, wo ich Bachs Weihnachtsoratorium, die Johannespassion, die sechs Brandenburgischen Konzerte sowie die Schöpfung von Joseph Haydn zur Aufführung brachte. In Busan/Korea dirigierte ich 2001 das deutsche Requiem von Brahms.

 

Meine Leitidee

Als Interpret von Programmen mit hochrangigen Werken aller Musikepochen habe ich mir zur Aufgabe gemacht, den Zuhörer im Konzert selbst oder durch vorbereitende Seminare (z.B. in der Karl Rahner Akademie, Köln) in eine lebendige Darbietung einzubeziehen.

 

Als Komponist stehe ich durch meinen Lehrer Harald Genzmer, der wiederum Schüler Paul Hindemiths war, in der Tradition der tonalen, handwerklich geprägten und harmonisch-melodisch nachvollziehbaren und aufführbaren Schule.

Die Zwölftontechnik und serielle Techniken habe ich mir nicht zu eigen gemacht, eine Ausnahme bildet die brasilianischen „Mensagem“.  Dennoch sind meine Themen oft 12-tönig angelegt, aber stets tonal hamonisiert (Beispiel: in den Heine-Liedern „Ich rief den Teufel“ oder die Fugenthemen über eine erweiterte B-A-C-H – Folge.)

Neben den freien Kompositionen und den Liedsätzen nehmen Bearbeitungen meist instrumentaler Werke von der Renaissance bis in unsere Zeit einen großen Teil ein.

Grundgedanke:Den singenden Menschen auch Meisterwerke zugänglich zu machen, deren Klangsprache ausgesprochen gesanglich erscheint, und die sonst nur spezialisierten Instrumental-Ensembles vorbehalten bleiben.

Schwerpunkte:

Die Werke Henry Purcells (Chaconnes und alle Gamben-Fantasien)

J.S. Bach: Das Wohltemperierte Klavier, die Goldberg-Variationen, das Musikalische Opfer und weitere Orgel- und Klavierwerke

W.A. Mozart: Requiem (Vervollständigung und Komposition der „Amen“-Fuge)   und

C. Gesualdo: Cantiones Sacrae (Komposition der verloren gegangenen 5. Und 6. Stimme)

Für Gesang und Klavier habe ich einige weniger bekannte Texte von Brecht und Heine vertont.

Sprachspiele

Eine besondere Liebe gilt dem musikalischen und sprachlichen Witz. So komponierte ich auch immer wieder  Kanons, Parodien, Stilübungen und Couplets, und brachte Wagners  „Ring des Nibelungen - in Schüttelreimen neu geschmiedet“ zur Aufführung. Als „Sprachspieler“ hatte ich viel Freude in der „Gilde der Schüttelreimer“ (später umbenannt in „Sprachspieler“) und im Kreis der Rätsel-Erfinder „Schraubstock“.  (Siehe: Sprachspiele)